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Diagnosekriterien für eine Computerspielsucht

Die chronische exzessive Nutzung von Computerspielen wird als pathologische Abhängigkeit oder Sucht taxiert. Im 2013 erschienenen Klassifikationssystem DSM-5 (Diagnostic and statistical Manual of mental Disorders) wurde der Begriff „Internet Gaming Disorder“ (Onlinespielabhängigkeit) in Sektion III als eine Störung aufgenommen, die weiterer Forschung bedarf.

Fünf der folgenden neun Kriterien müssen über den Zeitraum von 12 Monaten vorliegen, damit von einer Onlinegamesucht gemäss DSM-5 ausgegangen werden kann:

  1. Gedankliche Vereinnahmung. Der Spieler muss ständig ans Spielen denken, auch in Lebensphasen, in denen nicht gespielt wird – zum Beispiel in der Schule
  2. Entzugserscheinungen. Wenn der Spieler nicht spielen kann, erlebt er psychische Entzugssymptome – zum Beispiel Gereiztheit, Unruhe, Traurigkeit, erhöhte Ängstlichkeit oder Konzentrationsprobleme.
  3. Toleranzentwicklung. Der Spieler verspürt im Laufe der Zeit das Bedürfnis, mehr und mehr Zeit mit Computerspielen zu verbringen.
  4. Kontrollverlust. Dem Spieler gelingt es nicht, Häufigkeit und Dauer des Spielens zu begrenzen und Aufnahme und Beendigung des Spielens selbstbestimmt zu regulieren.
  5. Fortsetzung trotz negativer Konsequenzen. Der Spieler setzt sein Spielverhalten fort, obwohl er weiss, dass dieses nachteilige psychosoziale Auswirkungen auf ihn hat.
  6. Verhaltensbezogene Vereinnahmung. Der Spieler verliert sein Interesse an vormals geschätzten Hobbys und Freizeitaktivitäten und interessiert sich nur noch fürs Computerspielen.
  7. Dysfunktionale Stressbewältigung. Der Spieler setzt das Computerspielen ein, um negative Gefühle zu regulieren oder Probleme zu vergessen.
  8. Dissimulation. Der Spieler belügt Familienmitglieder oder andere Personen über das tatsächliche Ausmass seines Spielverhaltens.
  9. Gefährdungen und Verluste. Der Spieler hat wegen seines Computerspielens wichtige Beziehungen riskiert oder verloren oder seinen Werdegang in anderer Weise gefährdet.

Quelle: American Psychiatric Association (2013), Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Version (DSM-5)