Ursachen für Computerspielsucht und Folgen

Die Ursachen für Computerspielsucht sind breit gefächert und individuell verschieden. Oft gibt es nicht nur einen einzelnen Auslöser für eine exzessive Nutzung, sondern ein Zusammenwirken aus mehreren Faktoren:

Stressbewältigung und Ablenkung

Der häufigste Grund ist die Stressbewältigung und Ablenkung mit Computerspielen. Besonders Menschen mit Neigung zu Depressionen oder sozialen Ängsten nutzen virtuelle Welten, um Frust und Unsicherheit zu vergessen und verdrängen. Sie flüchten sich in die virtuelle Welt, erleben dort vermeintliche Unbeschwertheit – selbst wenn das reale Leben derweil zusammenbricht.

Persönlichkeit und Lebenserfahrungen

Auch die Persönlichkeit und die bisherigen Lebenserfahrungen spielen eine grosse Rolle bei der Frage, ob man eine Sucht entwickelt. Besonders gefährdet sind Personen mit einer ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) Problematik. Aber auch Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl fühlen sich von Online-Rollenspielen angezogen, denn in der virtuellen Welt finden sie deutlich schneller einen Weg, anerkannt und in eine Gruppe integriert zu werden. Hinter dem Computer – physisch getrennt von einem allfälligen Gegenüber - fällt es den Betroffenen leichter zu kommunizieren.

Lebensphase und Gewöhnung

Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet. Wenn sie schon früh und extensiv Medien konsumieren und sich an einen häufigen Konsum gewöhnen, wird die Entwicklung wichtiger Lebens- und Sozialkompetenzen für das reale Leben behindert. Anstehende Entwicklungsaufgaben in dieser Lebensphase können dann überfordernd wirken, so dass sie sich noch mehr in die digitale Welt zurückziehen.

Neurobiologie und Belohnungseffekte

Neurobiologisch betrachtet löst exzessives Computerspielen dieselben hirnphysiologischen Prozesse aus wie beispielsweise Alkoholsucht: Während diese durch das Bild eines Bieres stimuliert werden, bewirkt das Bild des jeweiligen Lieblingsspiels bei Computerspielern ähnliche Reaktionen. Wenn bestimmte Ereignisse während des Spielens eintreten, werden im Belohnungszentrum des Gehirns Dopamin und Endorphine ausgeschüttet, welche Glücksgefühle auslösen. Süchtige versuchen, diese Gefühle möglichst oft zu erreichen. Darüber hinaus locken viele Online-Rollenspiele mit Belohnungssystemen, auf die besonders männliche Computerspieler reagieren: Für erledigte Aufgaben werden Spieler belohnt, wodurch das Gehirn motiviert wird, weiterzuspielen bzw. mehr erreichen zu wollen.

Quelle: www.spielsucht-therapie.de/computerspielsucht/

Folgen

Die Folgen von Computersucht können sowohl psychischer als auch physischer Natur sein. Betroffene und deren Angehörige sollten daher rechtzeitig handeln, um dramatische Auswirkungen der Sucht zu verhindern.

Onlinesucht macht sich in der Regel schleichend bemerkbar. Ab wann der Drang zu einer echten Sucht wird, ist dabei schwer zu definieren. Typisch ist, dass der Internetkonsum bei Betroffenen immer mehr zunimmt und irgendwann den grössten Teil des Alltags einnimmt. Süchtige nehmen sich keine Zeit mehr für Familie und Freunde, betreiben keine Hobbys mehr abseits des Computers, Leistungen in Schule oder Beruf sinken, sie vernachlässigen die Hausarbeit und teilweise auch sich selbst, z.B. ihre eigene Körperpflege etc. Im äussersten Fall geht der Kontrollverlust so weit, dass Betroffene nicht mehr fähig sind, ihrer Arbeit nachzugehen und den Job verlieren.

In gewisser Weise kann ein Teufelskreis entstehen, bei dem man nicht mehr weiss, was Ursache und Folge ist. Denn: So wie zum Beispiel Einsamkeit Suchtverhalten auslösen kann, ist sie möglicherweise auch das Resultat der Sucht. Dann ist es wichtig - eventuell mit Unterstützung einer Beratungsstelle - eigene Ressourcen aufzubauen oder zu reaktivieren und einen Ausweg aus dem Teufelskreis zu suchen.