Wie viel ist zuviel?

Sie spielen schon seit längerer Zeit regelmäßig Computerspiele und fragen sich, ob Ihr Spielverhalten noch gesund ist oder bereits eine problematische Nutzung vorliegt? Möglicherweise wurden Sie auch schon von Familienmitgliedern und Kollegen auf Ihre Spielgewohnheiten angesprochen, sehen selber jedoch an Ihrem Hobby nichts Außergewöhnliches? Viel und gerne Computerspiele zu spielen bedeutet nicht automatisch, auch süchtig zu sein. Die Grenzen zwischen risikoarmem, problematischem und süchtigem Spielverhalten sind fließend. Eine erste Information darüber, in welchem Bereich Sie mit Ihrem Spielverhalten liegen, beantwortet die folgende Frage: Handelt es sich beim Spielen um eine kompensatorische (ersetzende) Nutzung von Internetangeboten oder um eine komplementäre (ergänzende) Nutzung?

Kompensatorische Nutzung

Das Computerspiel wird immer mehr zum Ersatz für das reale Leben. Es verdrängt Aktivitäten und Hobbies, welche früher noch wichtig waren. Bedürfnisse, welche im „realen“ Leben nicht befriedigt werden können, werden durch das Spielen ersatzbefriedigt (kompensiert). Dadurch fällt der innere Druck weg, sich im „realen“ Leben mit der Erfüllung dieser Bedürfnisse zu konfrontieren.

Komplementäre Nutzung

Computerspiele stellen eine Ergänzung zu realen Lebenserfahrungen dar. Es ist zwar ein Teil des Lebens, beeinträchtigt jedoch wichtige soziale Kontakte, Beruf und Hobbies im „realen“ Leben wenig. Es stellt eher eine Abwechslung dar. Gespielt wird zum Spass und nicht, um negative Gefühle zu verdrängen.

Anzeichen für eine problematische Nutzung von Computerspielen:

  • Einengung des Verhaltens: Ihr Handeln und Denken ist auf das Spielen von Computerspielen fokussiert, das Interesse an anderen Freizeitbeschäftigungen nimmt ab.
  • Sozialer Rückzug: Sie vernachlässigen soziale Beziehungen ausserhalb des Internets.
  • Kontrollverlust: Sie spüren einen intensiven, kaum kontrollierbaren Drang, das Internet zu nutzen und merken, dass Sie das Ausmaß der Nutzung vor sich und anderen verharmlosen.
  • Toleranzentwicklung: Sie sitzen zunehmend länger vor Ihrem PC und haben (häufigere und längere) Spiel- oder Onlinezeiten.
  • Entzugserscheinungen: Wenn es Ihnen nicht möglich ist, den Computer zu nutzen werden Sie nervös und/oder aggressiv und wollen unbedingt wieder an den PC.
  • Gefühlsregulation: Sie nutzen den PC, um negative Gefühle zu verändern, Stress zu vergessen und somit die unangenehme Befindlichkeit zu verbessern.
  • Fortsetzung des Verhaltens: Sie setzen das exzessive Verhalten trotz negativer Folgen (gesundheitlich, beruflich/schulisch, sozial) weiter fort.
  • Leistungsrückgang in Schule/Beruf: Durch das Computerspielverhalten verschlechtern sich Ihre Leistungen in anderen wichtigen Lebensbereichen.
  • Veränderung Tag/ Nachtrhythmus: Das Spielverhalten hat Auswirkungen auf Ihre Schlafzeiten. Sie schlafen vermehrt unregelmäßig und/oder weniger lang. Darunter leidet mit der Zeit auch Ihre Leistungsfähigkeit.

[in Anlehnung an Grüsser/Thalemann 2006 und SFA/ISPA]